„Mal kurz“ auf Deutschlands höchsten Berg
Eckdaten
- Datum: Samstag, 29.08.2026
- Ausgangspunkt: Obergrainau (757m)
- Endpunkt: Zugspitzplatt, Station Zahnradbahn (2588m)
- Wegstrecke 12,1km, 2640m Aufstieg, 820m Abstieg
- Wetter: In der Nacht Regen, danach sonnig, teilweise leicht bewölkt, warm
- Wegpunkte: Obergrainau – Abzweigung Stangensteig (3,2km, 0:50h) – Höllentalangerhütte (6,5km, 2:30h) – Höllentalferner (9,4km, 5:00h) – Einstieg Klettersteig (10,1km, 6:45h) – Irmerscharte (10,6km, 8:20h) – Zugspitze (10,8km, 9:00h) – Zugspitzplatt (12,1km, 11:05h)
- Gipfel: Zugspitze (2962m)
Zu fünft reisten wir am Freitag Abend noch im strömenden Regen nach Grainau an. Für die jüngeren Drei von uns hieß das Ziel am Samstag Zugspitze, während die Seniorenabteilung den etwas zahmeren Aufstieg zum Osterfelderkopf anpeilte.
Nachdem wir uns in unserer Unterkunft eingerichtet hatten hieß es dann früh schlafen gehen, denn es war Abmarsch um 4 Uhr morgens geplant.
Noch tief in der Dunkelheit gingen wir um 4:10 Uhr von der Unterkunft los. Inzwischen war es zumindest von oben trocken, der Mond ließ sich auch bereits hinter den hohen Wolken erahnen. Wir schlugen den ansteigenden Weg über den Sagenhaften Bergwald ein und folgten dann den Wegweisern Richtung Höllentalklamm.
Über zum Teil durch den Regen des letzten Tages etwas rutschige, aber nicht besonders schwierige Wege erreichten wir die Verzweigung zwischen Klammweg und Stangensteig. Da der Stangensteig aus unserer Richtung kommend ein paar Höhenmeter weniger haben sollte schlugen wir diesen ein und stiegen über einige steile Serpentinen im dunklen Wald auf. Der Steig folgt dann teilweise ausgesetzt und drahtseilgesichert dem Verlauf der Höllentalklamm, allerdings etwa 150m weiter oben im Hang.

Auf einer hohen, schmalen Brücke überquerten wir das enge, tief eingeschnittene Tal mit auch im Licht der Stirnlampen beeindruckenden Tiefblicken in die Klamm. Im danach folgenden Anstieg begann es langsam hell am Himmel zu werden, und nach einem felsigen, etwas wilden Zwischenabstieg zur Vereinigung mit dem Klammweg konnten wir die Stirnlampen ausschalten.
Von dort führt der breite, einfach zu gehende Weg in angenehmer Steigung das letzte Stück hinauf zur Höllentalangerhütte. Als wir diese gegen 7 Uhr erreichten waren bereits einige Übernachtungsgäste am Aufbruch, bereits unterwegs oder noch beim Frühstück.


Nach einer kurzen Pause ging es hinein in den Höllentalanger, auf eine zunächst sehr unüberwindbar erscheinende Steilstufe zu. An deren unterem Ende hieß es dann Ausrüstung anlegen, Teil 1. Klettergurt, Klettersteigset und Helm sind ab hier dringend anzuraten. Zuerst geht es noch relativ leicht drahtseilgesichert aufwärts, dann folgt die kurze Steilstufe der „Leiter“, einer steilen Reihe von Trittbügeln. Kurz danach folgt dann das „Brett“, eine luftige Querung auf Eisenstiften.


An diese anschließend folgte etwas ungesicherte Kletterei im oberen 1. Grad durch eine Rinne, über die das etwas flachere Gelände unter dem Höllentalferner erreicht wird. Selbst der Gipfel ist ab hier schon zu sehen, doch auch wenn er nahe wirkt ist der Weg immer noch lang. Auch der Rettungshubschrauber war hier bereits unterwegs, dieser flog wie es aussah eine Stelle am unteren Ende des Gletschers an. Eine deutliche Warnung, dass hier Vorsicht geboten war!

Im nun zunehmend gerölligen Gelände erstiegen wir mit ausnahme einer kurzen Stufe mit einem Wasserfall in nun wieder mäßiger Steigung das Moränengelände des Höllentalferners. Dieser wird beim aktuellen Gletscherstand auf ca. 2240m erreicht. Direkt unter dem Gletscher machten wir eine weitere Pause und legten dann die restliche Ausrüstung in Form von Steigeisen und Pickel an. Da der Gletscher im zu begehenden Teil komplett blank war verzichteten wir auf Seilsicherung.

Der Aufstieg über den Gletscher erfolgte zunächst fast mittig und recht direkt in der Falllinie um Steinschlag von den Flanken zu vermeiden. Auch einige am Rand vorhandene, offene Querspalten werden so vermieden. Die Steigung ist anfangs noch mäßig, nimmt aber nach oben deutlich zu und geht an den steilsten Stellen laut meiner Aufzeichnung über die 30 Grad hinaus. Auf gerölldurchsetztem Blankeis verzeiht dieses Gelände keine Fehler.
Um an den bereits sichtbaren Einstieg des oberen Klettersteigs zu kommen hieß es dann auf ca. 2450m Höhe nach rechts hinüber zu queren, das bei anhaltend großer Steigung im Eis. Auf den letzten Metern erhöhten einige Längsrinnen den Anspruch nochmal etwas, um diese sicher zu Überwinden mussten teilweise sogar die Frontalzacken der Steigeisen bemüht werden. Manche Personen waren hier mit Grödeln unterwegs, bei den aktuellen Verhältnissen kaum ausreichend, teilweise rutschten Leute immer wieder ab, meistens wenigstens ohne schlimmere Folgen.

Wir erreichten die Randkluft ohne Zwischenfälle, wo wir im Geröll die Steigeisen ausziehen konnten und in die sehr flache Randkluft einstiegen. Dort hieß es nun erst einmal warten. Durch den zurückgehenden Gletscher war der Einstieg zum Klettersteig inzwischen gute 10 Meter über dem Eis, dahin waren leichte, aber sehr glattpolierte Felsen mit nur einem hängenden Seil als Hilfsmittel zu überwinden. Da vor uns eine geführte Gruppe über diese Stelle zusätzlich gesichert wurde dauerte das etwas.
Als wir dann endlich einsteigen konnten ging es zuerst ganz zügig, um eine unangenehm plattige, ausgesetzte Ecke herum, am Seil hinauf zu den ersten Versicherungen und dann direkt in die Schlüsselstelle, einen kurzen Überhang, der in eine fast senkrechte Wand mündet. Durch ausreichende Trittbügel war das für den geübten Klettersteiggeher aber nicht zu schwierig.

Nach dieser Steilwand hieß es dann lange ansteigend queren, immer weiter in Richtung des fast dauernd sichtbaren Gipfels hin. Das Drahtseil gibt nun bis auf wenige Meter durchgehend die Richtung an und der Fels ist überraschend solide. Das würde man bei dem vielen Geröll so kaum erwarten. Einige ausgesetzte Stellen waren noch zu überwinden, aber große technische Schwierigkeiten warteten nun keine mehr.

Wir überholten noch drei Personen mit etwas fragwürdiger Klettersteig-Ausrüstung Marke Eigenbau, dann querten wir auch schon etwas unterhalb der Irmerscharte, oberhalb welcher erstmals der Blick nach Norden hinab zum fast 2000m tiefer liegenden Eibsee frei wird. Nach einem kleinen Vorgipfel und wenigen Metern Zwischenabstieg begann der finale Anstieg hinauf zum Beginn des Jubiläumsgrats. Dieser wird ohne besondere Schwierigkeiten erreicht.


Ab dem Erreichen des Grats waren es nur noch wenige Meter hinauf zum Gipfel mit dem bekannten, goldenen Kreuz. Einiges los war hier selbstverständlich, auch einiges an Turnschuhbergsteigern von der Seilbahn. Trotzdem fanden wir zumindest kurz Platz direkt oben am Kreuz. Währenddessen war unten am Gletscher bereits wieder der Hubschrauber im Einsatz…


Über eine kurze Steilwand mit Leiter und eine ausgestzte Gratstelle gelangten wir gegen 13 Uhr dann endlich auf die Terrasse der Seilbahnanlagen und dem daneben liegenden Münchner Haus. Hier war erst einmal Ausrüstung ablegen und verstauen angesagt. Da wir noch genug Zeit hatten beschlossen wir, zumindest noch einen Teil zu Fuß abzusteigen. Dazu wechselsten wir hinüber zur österreichischen Grenze und folgten dieser absteigend über den Grat an der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn vorbei. Weiter am Grat ging es mit jeder Menge Gegenverkehr an der Abzweigung zum Stopselzieher und zur Wiener-Neustädter Hütte vorbei und in den Abstieg zum Zugspitzplatt.


Dieser war erst noch felsig, ging dann im letzten Stück aber in sehr lockeres Geröll über, auf dem sich recht locker die letzten gut 100 Meter abfahren ließen. Mit nochmal einer kleinen Steigung erreichten wir wenig später die Station der Zahnradbahn auf dem Platt. Wenige Minuten später ging es dann mit der Bahn bequem wieder hinab, direkt nach Grainau.

Vom Bahnhof waren es dann nur noch wenige Minuten zurück zur Unterkunft, wo erst einmal Pause angesagt war. Wir ließen es dann auch locker angehen, am Abend und am nächsten Morgen stand außer Frühstück besorgen nichts mehr auf dem Plan und wir machten uns Sonntag morgen wieder auf die Heimreise.
Tourenbewertung
Informationen zu meiner Bewertung sind hier zusammengefasst.
- Schwierigkeit: WS+ (bei den aktuellen Bedingungen, sonst leichter), Klettersteig C (Stelle), sonst A/B
- Ausdauer 10/10 (Sehr anspruchsvoll)
- Ausgesetztheit 9/10 (Sehr ausgesetzt, aber gesichert)
- Orientierung 7/10 (Bei Nebel problematisch!)
- Landschaft 10/10 (Ausgezeichnet)

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