Zentralalpenweg Tag 12: Hochanger – Gleinalm-Schutzhaus


Immer wieder, auf und nieder

Eckdaten

  • Datum: Donnerstag, 11.06.2026
  • Etappe-Nr. laut Führer: 13
  • Ausgangspunkt: Hochanger-Schutzhaus (1304m)
  • Endpunkt: Gleinalm-Schutzhaus (1586m)
  • Wegstrecke 31,5km, 2020m Aufstieg, 1740m Abstieg
  • Wetter: Wechselhaft, teilweise windig, kurzer Regenschauer
  • Wegpunkte: Hochanger-Schutzhaus – Eisenpass (2,6km, 0:40h) – Drei Pfarren (5,0km, 1:20h) – Herrenkogel (7,1km, 2:15h) – Hochalm (8,4km, 2:35h) – Almwirt-Sattel (12,5km, 3:40h) – Pöllasattel (14,5km, 4:20h) – Fensteralm (18,6km, 5:50h) – Polstersattel (22,1km, 6:55h) – Eiblkogel (23,9km, 8:00h) – Kreuzsattel (25,9km, 8:30h) – Lärchkogel (27,8km, 9:20h) – Speikkogel (30,1km, 10:15h) – Gleinalm-Schutzhaus (31,5km, 10:50h)
  • Gipfel: Herrenkogel (1642m), Fensteralm (1642m), Eiblkogel (1831m), Lärchkogel (1894m), Speikkogel (1988m)

In der Nacht hat es ordentlich geschüttet, und auch das eine oder andere Gewitter war dabei. Am Morgen sieht die Welt dafür ganz anders aus, jetzt scheint tatsächlich mal die Sonne. Laut Vorhersage soll das auch den restlichen Tag so bleiben. Nur hat das dem Wetter leider niemand gesagt. Aber dazu später mehr.

Nach einem frühen Frühstück breche ich gegen 7:30 auf, gute 10 Stunden Gehzeit sind für heute angesagt. Insgesamt ist das ein Teilstück, das im Vorfeld Respekt einflößt: 31km, dazu gute 2000 Höhenmeter, kein Stützpunkt am Weg und viel davon auf ausgesetzten Höhenzügen. Gerade der letzte Punkt machte mir bei dem starken Wind etwas Sorgen.

Freundlicher heute, aber die Fahne vor der Hütte lässt den kalten Wind bereits erahnen.

Als erstes heißt es aber einen Schritt zurück machen, die gestrige Strecke vom Eisenpass will jetzt in die Gegenrichtung begangen werden. Mit dem leichten Gefälle ist das eine willkommene Strecke zum warmlaufen. Nur das noch sehr feuchte Gebüsch und der heftige, kalte Wind sind etwas störend.

Gleiche Stelle wie gestern, so kann das hier auch aussehen.

Wie es von hier weitergehen soll sah ich gestern bereits, und es gefiel mir da schon nicht. Steil über einen Grünstreifen direkt den Rücken hinauf. Ein Blick in die Karte zeigt, dass es auch etwas angenehmer geht, mit nur ein paar hundert Meter Umweg. Ich lasse den steilen Steig also steil sein und nehme die leicht links davon verlaufende Forstrstraße. Diese bringt mich angenehmer (und trockener – kein hohes Gras!) in einem Rechtsbogen von der Rückseite auf die Anhöhe „Bei den drei Pfarren“, meinem nächsten Wegpunkt.

Wie die Markierung an dem Baum links der Schneise vermuten lässt, soll ich da direkt rauf. Links außen herum geht es mit etwas mehr Strecke aber angenehmer.

Oben zieht der Wind ordentlich und ich bin froh im direkt daran anschließenden Anstieg zum Herrenkogel bald wieder um Schutz des Waldes zu sein. Dafür geht es jetzt auch ordentlich steil zur Sache. Erst ganz oben, auf dem grasigen Gipfel wird es flacher.

Bei den Drei Pfarren, Blick zum Herrenkogel.

Der Wind bläst hier, auf dem ersten richtigen Gipfel dafür kräftig, und ich bin froh nach einem kurzen Abstieg in den Windschatten des Wetterkogels zu kommen, der südlich unterhalb umgangen wird. Nächster Wegpunkt ist nun die Hochalm.

Abstieg vom Herrenkogel, Wetterkogel und Weiterweg zur Hochalm.

Hier ist dann auch gleich mal Orientierungssinn gefragt. Schilder oder Markierungen gibt’s kaum, und wie ich erst etwas zu spät feststelle ist die offensichtliche, nach Westen abwärts führende Spur nicht die richtige. Stattdessen sollte man einem kaum erkennbaren Pfad nach Süden folgen. Naja, auf die paar Meter mehr kommt es heute auch nicht an…

Unterwegs zum Almwirt.

Zurück auf dem richtigen Weg geht es nun ein ganzes Stück in südöstlicher Richtung bergab. Hier ist man auch gut geschützt unterwegs und dem Sturm von weiter oben habe ich bald ganz vergessen. Im Abstieg zum Sattel beim ehemaligen Almwirt kommen mir auch die einzigen beiden anderen Wanderer entgegen.

Beim Almwirt ist auch der (geographische) Tiefpunkt des Tages erreicht. Und auch wenn der Führer empfiehlt, von dort Wasser mitzunehmen, gefunden habe ich keins. Nach einer kurzen Pause geht es daher weiter.

Beim Almwirt-Sattel. Einen Wirt gibt’s hier aber leider schon lange nicht mehr.

Die Wegführung ist nun erst einmal kurz nicht eindeutig. Die Markierung vor Ort würde sowohl den leicht rechts führenden Steig als auch die leicht nach links ansteigende Forststraße zulassen. Da meine Karte den Weg aber nach rechts führend zeigt geht ich dort entlang. So komme ich bald an den Lauf des Großen Gössbachs, der eine gute Gelegenheit zum Wasser fassen bietet.

Am Gössbach. Dürfte an heißen Tagen die einzig zuverlässige Quelle am Weg sein.

Dem Bach folge ich dann auch aufwärts über Wiesen, teilweise weglos und erbärmlich markiert. Anders als in meiner Karte eingezeichnet überquere ich den Bach auch nie, das wäre beim aktuellen Wasserstand nicht ohne nasse Füße möglich. Ein Stück unter dem Pöllasattel treffe ich dann wieder auf den Forstweg und folge diesem weiter aufwärts.

Teilweise weglos, immer am Bach entlang.
Kurz nach diesem Teich treffe ich wieder auf den Forstweg und die Markierung.

Einen auf der Karte eingezeichneten, eine lange Kehre abkürzenden Steig scheint es hingegen nicht mehr zu geben, die Markierung bleibt eindeutig bis hinauf zum Pöllasattel auf der Forststraße.

Nicht allein Unterwegs: Der Nord-Süd-Weitwanderweg 05 ist seit dem Herrenkogel mein Begleiter.

Am Sattel bin ich kurz mal verwirrt, dass es von hier nach Süden weitergeht hatte ich so irgendwie nicht auf dem Schirm, aber der Wegweiser ist eindeutig. Zuerst steil auf einem Steig, dann wieder einmal auf der Forststraße geht es unter dem Pöllakogel vorbei zu einem namenlosen Sattel. Nun zur Abwechslung mal nicht direkt über die nächste Erhebung drüber, sondern in einem Bogen südlich über den Fensteralmsattel um sie herum und dann ansteigend über einen Steig hinauf zum Gipfel der Fensteralm mit Kreuz.

Im Aufstieg zur Fensteralm kommt auch mal blauer Himmel raus.
Der Wind scheint hier nicht nur heute aus Norden zu kommen…
Gut versteckte Abzweigung, anschließend unangenehm nah an der Abbruchkante weiter. Alternativ: Über die frisch gegrabene Harvester-Spur am linken Bildrand.
Der letzte Anstieg zur Fensteralm.
Aussicht vom Gipfel der Fensteralm nach Norden.

Nach einem kurzen Zwischenabstieg geht es schon wieder aufwärts, über eine namenlose Erhebung, dann wieder abwärts und schließlich sogar kurz relativ eben bis unter den Polsterkogel. Über den geht der Weg eigentlich oben drüber, der Anstieg sah aber jetzt nicht wie etwas aus, das man unbedingt gemacht haben muss, da nahm ich dann doch das Angebot einer deutlichen Spur, die den Gipfel fast ohne Höhenmeter nördlich umgeht an. Etwas über dem Polstersattel treffe ich dann auch wieder auf die „offizielle“ Route.

Weiter geht es über den Höhenrücken der Fensteralm.
Abstieg zum Polstersattel, in der Bildmitte unten der Polsterkogel, darüber das nächste Ziel, der Eiblkogel.

Angekommen im Polstersattel war nun auch endlich einmal T-Shirt-Wetter, die Sonne kam raus und es wurde erstaunlich warm. Was nicht zuletzt am Aufstieg aus dem Sattel in Richtung Eiblkogel lag. Steil am Rande einer breiten Schneise im Wald geht es die ersten gut 200 Höhenmeter hinauf bevor es etwas flacher wird. Dabei überquere ich zuerst den (unsichtbaren) Tunnel der A9, danach unterquere ich eine (sichtbare) Hochspannungsleitung.

Der Preis für den anstrengendsten Anstieg des Tages geht an… den Eiblkogel!

Kurz danach, knapp unter dem Gipfel des Eibelkogels ist es mit dem T-Shirt-Wetter dann auch schon wieder vorbei, es ziehen zunehmend dunkle Wolken auf, im Norden scheint es teilweise auch schon ordentlich zu schütten, und der stürmische, kühle Wind meldet sich auch wieder zu Wort.

Rückkehr von Wind und Wolken, im Hintergrund die letzten Gipfel des Tages.
Auf dem Eiblkogel. Im Norden sieht man bereits heftige Regenschauer. Die Kamera kommt deswegen in den Rucksack, für den Rest des Tages gibt’s nur noch Handybilder.

Auf dem dann folgenden Weg über den flachen Rücken des Eibelkogels und dem anschließenden Abstieg in den Kreuzsattel beobachte ich die Wetterlage genau, denn am Sattel besteht die letzte Möglichkeit um die letzten beiden (und höchsten) Gipfel auszulassen und eine Etage tiefer auf der Forststraße zum Gleinalmsattel zu gelangen.

Am Ende siegt dann aber doch der Hunger nach Höhenmetern und ich steige wieder einmal steil aus dem Kreuzsattel einem Zaun entlang über grasige Hänge aufwärts. Dieser Anstieg zieht sich nun auch, und im oberen Teil beschließen die dunklen Wolken endlich, ernst zu machen. Auf dem letzten Höhenmetern zum Lärchkogel setzt Regen/Graupel/Hagel/Wasauchimmer ein, da trifft es sich gut, dass auf dem Gipfel eine Unterstandshütte steht.

Nach der Schlechtwetterphase auf dem Lärchkogel, Blick zum Speikkogel und Lenzmoarkogel.

Die ist übrigens soweit ich sehen konnte die einzige frei zugängliche Schutzmöglichkeit auf dem ganzen Weg seit dem Eisenpass! Und Schnaps gibt’s auch noch, da genehmige ich mir doch gleich mal einen Kurzen. Danach sieht sie Welt auch schon wieder ganz anders aus. Windig ist es zwar noch ordentlich, aber dafür wenigstens wieder trocken.

Es folgt ein letzter Zwischenabstieg zum Sattel unter dem Speikkogel, wo mich der Wind teilweise fast wegbläst. Erst im darauf folgenden, steilen und teilweise sogar etwas felsigen Anstieg bin ich wieder besser geschützt.

Die letzten Meter zum Speikkogel ziehen sich. Das sind so die Momente, in denen man sich fragt, warum man das eigentlich tut. Die Aussicht von oben ist aber zumindest ganz nett. Da stört es auch nicht, dass der höchste Gipfel der Gleinalpe, der Lenzmoarkogel, nur ein paar Meter entfernt steht und provokant herüberschaut. Dieser Versuchung, 30 Minuten und nochmal gute 100 Höhenmeter mehr, kann ich inzwischen sehr gut widerstehen.

Am Höhepunkt: Speikkogel, 1988m, zweithöchster Punkt der Gleinalm.
Der erste Blick aufs Tagesziel nach fast 10 Stunden. Gut 400 Höhenmeter abwärts fehlen noch.

Vom Speikkogel geht’s stattdessen fast genau nach Süden, hinab zum Gleinalmsattel, wo schon von oben das Schutzhaus und die kleine Kirche zu sehen sind. Angenehm ist dieser Abstieg aber nicht, der ist steil, oben geröllig und unten erdig. Zum Glück ist es schon längst wieder trocken, sonst wäre das bestimmt unangenehm.

Angekommen am Gleinalm-Schutzhaus. Restliche To-do-Liste des Tages: Almdudler, Dusche, Essen, Bett.

Beim Einmarsch aufs Gelände des Schutzhauses werde ich auch direkt vom Wirt entdeckt und in Empfang genommen. Wieder einmal bleibe ich der einzige Gast im großen Matratzenlager. Dieses ist übrigens ganz schön kalt so alleine, da war ich froh über den etwas dickeren Schlafsack im Rucksack. Sonst aber eine sehr schöne, gut geführte Hütte.

Morgen steht dann nochmal eine lange Strecke an, allerdings mit deutlich weniger Höhenmetern.

Bewertung

Informationen zu meiner Bewertung sind hier zusammengefasst.

  • Schwierigkeit 4/10 (Einfach)
  • Ausdauer 9/10 (Sehr anspruchsvoll)
  • Ausgesetztheit 3/10 (Wenig ausgesetzt)
  • Orientierung 5/10 (Stellenweise schlecht/undeutlich markiert)
  • Landschaft 7/10 (Schön)

Übersichtskarte

GPX-Track zum Download verfügbar in der Übersicht.

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