Verwallrunde Westteil, Tag 4: Friedrichshafener Hütte – Arlbergpass


  • Datum: 18.09.2025
  • Startpunkt: Friedrichshafener Hütte, 2138m
  • Endpunkt: Beim Arlbergpass, ca. 1770m
  • Höchster Punkt: Gaisspitze, 2779m
  • Tiefster Punkt: Im Verwalltal, ca. 1440m
  • 36,5km, 1440m Aufstieg, 1850m Abstieg
  • Wetter: Trocken und sonnig, zuerst kühl, später recht warm.

A long way home…

Als ich am Morgen bei Traumwetter von der Hütte aufbreche weiß ich noch nicht, wo der Tag enden soll. Es stehen die Heilbronner Hütte, Konstanzer Hütte und der Arlbergpass zur Auswahl.

Schon kurz nach dem Start ist der Blick frei zum Muttenjoch und zur Gaisspitze

Von der Friedrichshafener Hütte geht es zuerst kurz etwas steiler über einen Steig, dann ein ganzes Stück relativ flach über einen Fahrweg in das Tal des Pachtlbachs hinein. Bei der Querung des Bachs zweigt dann der Friedrichshafener Weg als schmaler Steig ab und beginnt mäßig zum Muttenjoch anzusteigen. In westlicher Richtung zieht er an der Abzweigung des Georg-Prasser-Wegs vorbei zuerst über Wiesen, anschließend durchs Geröll nach oben.

Kurz vor dem Joch wird es steiniger
Und der Preis für die unnötigste Tritthilfe geht aaaan…

Beim Muttenjoch auf 2620m öffnet sich der Blick auf das Tal der Rosanna mit den kleinen, darin liegenden Seen. Etwas südöstlich davon erhebt sich die Gaisspitze, mein nächstes Ziel.

Die letzten Meter ins Muttenjoch
Die andere Seite mit dem namenlosen See

Den deutlichen Markierungen folgend geht es etwas felsiger, und zunächst auch etwas steiler, aufwärts. Nach einem kurzen, etwas flacheren Stück folgt der Anstieg etwa dem Gratverlauf über zwei mit Ketten versicherte Stellen hinauf zum Gipfel mit Kreuz auf 2779m.

Am breiten Grat unter dem Gipfelaufbau der Gaisspitze
Die letzten Meter mit Kettensicherung zum Gipfel
Gaisspitze, 2779m
Tief unten die Friedrichshafener Hütte…
Die Silvretta auf der anderen Seite des Paznauntals…
Und in diese Richtung geht es weiter. Die Heilbronner Hütte versteckt sich hinter dem Rücken in der Bildmitte.

Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg zurück ins Muttenjoch – auch wenn der Grat nach Südwesten zum Grieskogel-Joch auch begehbar aussah. Der wäre aber weglos, und auf Experimente hatte ich keine Lust.

Vom Muttenjoch geht es dann hinab ins Tal der Rosanna. Zuerst ist hier ein unangenehm sandig-rutschiger Hang zu queren, anschließend geht es ziemlich steil abwärts, erst im feinen Geröll, dann über Wiesengelände. Erst kurz vor dem Talboden wird es wieder flacher, bevor der Weg die Rosanna überquert und am gegenüberliegenden Hang wieder langsam ansteigt.

Unten wird die junge Rosanna gequert, dann geht es am Gegenhang wieder hoch
Rückblick zur Gaisspitze

Gute 150m Anstieg sind hier zu bewältigen, hinauf auf eine mal steinige, mal grüne und mit Seen durchsetzte Hochebene, auf welcher der Jöchligrat umrundet wird. Schließlich kommt der Scheidsee in Sicht und der Steig fällt langsam zur Heilbronner Hütte auf 2308m hin ab.

Auf der Höhenwanderung zur Heilbronner Hütte
Immer wieder vorbei an kleinen Seen
Hütte in Sicht

An der Hütte ist einiges los, die meiste Kundschaft scheint hier aus (E-)Mountainbikern zu bestehen. Da es erst gegen Mittag ist und die Sonne immer noch strahlt beschließe ich nach einer kurzen Mittagsrast auf der Hütte weiterzugehen.

Ich beginne den Abstieg am Scheidsee vorbei und dann weiter entlang des Albonabachs. Über eine kurze, etwas steilere Stufe wird schließlich das nach Norden führende Schönverwalltal erreicht. Nach der Brücke über die Rosanna ist nun wieder eine Entscheidung zu treffen: Weiter flach durchs Tal, oder aber an der Südseite des Patteriol vorbei über das Wannenjoch. Die gut 600 Höhenmeter extra, die auf Variante Zwei zu bewältigen wären machen die Entscheidung einfach und ich folge weiter dem breiten, auch von vielen Radfahrern genutzten Weg im Talboden.

Weiter geht es am Scheidsee entlang, eine auch bei Mountainbikern beliebte Strecke.
Übergang ins Schönverwalltal. Zum Vergleich: Vor fast genau einem Jahr war hier knietiefer Schnee zu überwinden.

Der Weg durch das Schönverwalltal zieht sich, ist nur wenig steil und schwierig zu verfehlen. Trotzdem schaffe ich es, bei einer Bachfassung falsch zu gehen und lande kurzzeitig auf der falschen Talseite, aber auch hier gibt es einen guten Weg, und der führt wenig später wieder direkt auf den „richtigen“. Im Zweifelsfall sollte die Rosanna in Abstiegsrichtung immer zur Linken sein.

Immer der Rosanna entlang
Der erste Baum am Weg seit dem Abmarsch von der Konstanzer Hütte an Tag 2

Schließlich erreiche ich wenig später dieselbe Kreuzung etwas unterhalb der Konstanzer Hütte, an der ich am Abend des ersten Tages vorbeikam. Meine Uhr sagt an diesem Punkt, dass immer noch genug Tag übrig ist, also beschließe ich gleich weiterzugehen. Ich überquere die Brücke und folge dann relativ eben und dann auch kurz ansteigend den mir inzwischen sehr vertrauten Hüttenweg in Richtung St. Anton.

Wieder bei der Konstanzer Hütte. Am ersten Tag kam ich von links, heute gehe ich geradeaus.

Im Bereich einiger Kehren beginnt der Weg schließlich zu fallen und bei einer Abzweigung auf ca. 1540m entscheide ich, einen neuen Weg auszuprobieren, in der Hoffnung so nicht einen sehr langen Tag mit einem teilweise steilen Anstieg zum Arlbergpass abschließen zu müssen. Daher folge ich nun dem Maroiweg bergauf nach Norden. Auf ca. 1650m komme ich wieder an eine Verzweigung. Der einzige Wegweiser zeigt hier hinab zum Verwallsee, dahin will ich aber eigentlich nicht. Daher folge ich weiter dem nun unbeschilderten Forstweg ins Tal des Maroibachs hinein.

Vor Ort sah es noch nach einer guten Idee aus hier links abzubiegen…
Verwallsee aus ungewohnter Perspektive. Kurz danach war es mit dem guten Weg dann vorbei.

Bald wird der Weg zu einem schmalen, undeutlichen Pfad, der sich mehrfach komplett im dichten Unterholz verliert und ich muss immer wieder das GPS zur Hilfe nehmen, um den Weg wiederzufinden. Schließlich erreiche ich eine mit kleineren Waldstücken durchsetzte Weide und der Weg wird wieder etwas deutlicher, bis er schließlich an einer Bachquerung gegenüber einiger Almhütten auf die andere Talseite wechselt.

Zurück in zivilisierteren Gegenden. Irgendwo tiefer ins Tal rein sollte es einen Weg geben, ich beschließe hier aber, nicht weiter zu experimentieren.

Laut Karte sollte von hier ein Weg hinauf zum Albonagrat führen, nach meinem Erlebnis mit dem bisherigen Weg, der mich viel Zeit kostete, und dem anhaltenden Fehlen jeglicher Markierung oder Beschilderung beschließe ich hier, das Experiment abzubrechen und gehe auf dem gut ausgebauten Waldweg nördlich des Maroibachs zurück Richtung Verwallsee. In einer großen Schleife erreiche ich schließlich die Staumauer, keinen Kilometer von der Stelle entfernt, wo mein Versuch, einen anderen Weg zu finden begann.

An der Staumauer, mit etwa zwei Stunden Umweg…

Weiter geht es nun auf dem mir bekannten Weg von Verwallsee talauswärts, oberhalb der Rosannaschlucht, bis zur Stiegeneck-Kapelle etwas außerhalb von St. Anton.

Weide mit fließend Wasser
Vorbei an der Stiegeneck-Kapelle

Bei der Kapelle beginne ich nach einer kurzen Pause mit dem teilweise steilen, aber landschaftlich auch sehr reizvollen Anstieg zum Arlbergpass. Im Wald entdecke ich dabei immer wieder Pilze, und nach der Querung der Passstraße finde ich tatsächlich einen ordentlichen Steinpilz, der zwecks Mittagessen für Morgen auch direkt in den Rucksack wandert.

Sonnenuntergang auf der anderen Seite des Tals
Etwas angefressen, aber trotzdem noch sehr essbar

Über einen teilweise sehr feuchten Hang führt der Steig schließlich mit Einbruch der Dämmerung zu einer namenlosen Scharte beim Maiensee auf 1853m. Nach dem See mündet der Steig in eine teilweise steile und etwas rutschige Schotterpiste, die das kleine Stück in das bereits in der Nähe sichtbare St. Christoph. Den recht hässlichen, vom Skitourismus entstellten Ort durchquere ich bereits in der Dunkelheit entlang der Arlbergstraße, überquere die Passhöhe auf 1793m und gehe dann noch die letzten Meter hinab zum an der Straße geparkten Auto, wo ich schließlich in völliger Dunkelheit ankomme und mich auf die Heimfahrt mache.

Maiensee im Dämmerlicht
Muss ein langweiliger Weg sein, wenn das schon der höchste Punkt ist.
Abendspaziergang durch St. Christoph
Dunkel ist’s beim Auto.

Das war es dann für das Jahr 2025 mit den großen Wanderungen. Mal sehen, was 2026 bringen wird. Im Moment warte ich eigentlich nur darauf, dass die Wandersaison anfangen kann. Wenn alles gut läuft geht es vielleicht im März wieder an den Zentralalpenweg, zum aufwärmen für die großen Sommerprojekte.

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