Verwallrunde, Westteil Tag 3: Darmstädter Hütte – Friedrichshafener Hütte


  • Datum: 17.09.2025
  • Startpunkt: Darmstädter Hütte, 2384m
  • Endpunkt: Friedrichshafener Hütte, 2138m
  • Höchster Punkt: Schönpleissübergang, 2870m
  • Tiefster Punkt: Friedrichshafener Hütte, 2138m
  • 12,0km, 950m Aufstieg, 1140m Abstieg
  • Wetter: Trocken, kühl und windig, später sonnig

Die Königsetappe ruft

Da die Wettervorhersage für heute gut aussah entschloss ich mich am Morgen, den Weg zur Friedrichshafener Hütte einzuschlagen und damit den mit Abstand anspruchsvollsten Teil der Verwallrunde zu begehen. Über einen Gletscher führt der Ludwig-Dürr-Weg zwar inzwischen nicht mehr, aber einfacher wurde er dadurch nicht.

Blick zurück zur Darmstädter Hütte. Dahinter die Faselfadspitze.

Los geht es zunächst aber sehr gemütlich über den Advokatenweg, der zur Niederelbehütte führen würde. Dieser geht zuerst mit wenig Steigung den Talkessel unter dem Großen Küchlferner aus, bevor er steiler anzusteigen beginnt und schließlich auf ca. 2530m der Ludwig-Dürr-Weg zur Friedrichshafener Hütte abzweigt.

Es wird steiler, hinauf Richtung Rautetürme.

Dieser führt zunächst weiter steil durch Geröll und Blockwerk weiter hinauf, ist gut markiert und auch nicht zu anspruchsvoll zu gehen. Nur Trittsicherheit ist auf dem oft losen Untergrund ein Muss.

Blick hinab zum Kartellspeicher.
Auf dem Rücken bei den Rautetürmen. Dahinter Küchl- und Kuchenspitze.

Auf ca. 2800m Höhe wird schließlich im Bereich der Rautetürme ein breiter, flacher Rücken erreicht, der schließlich südseitig und teilweise sehr ausgesetzt verlassen wird und der Weg hinab zum Rautejoch auf 2752m führt.

Anspruchsvoll und teilweise ausgesetzt hinab zum Rautejoch.
Im Rautejoch, 2752m. Früher kam man hier von Rechts rauf, weiter geht es nach Links.

Im Joch sind auch noch die Wegspuren des alten Verlaufs über den Küchlferner zu erkennen, dieser wurde aber (durchaus zurecht!) inzwischen wegen Steinschlaggefahr aufgegeben und verlegt.

Abstieg aus dem Rautejoch, steil aber einfach.

Es folgt nun ein steiler, aber einfacher Abstieg aus dem Rautejoch nach Süden. Anschließend quert der Weg relativ eben durch die Südflanke der Küchlspitze, und hier nehmen die Schwierigkeiten wieder deutlich zu. Der gesamte Hang ist nämlich sehr brüchig, und das Wasser hat einige tiefe, vermurte Rinnen in den losen Untergrund gegraben. Diese müssen auf dem Weg durchquert werden, und ein klarer Wegverlauf ist nicht zu erkennen.

Hangquerung unter der Küchlspitze. In der Bildmitte ist dunkel bereits die problematische Rinne zu sehen. Und auch, wie viel Aufwand zur Umgehung nötig wäre…

Die tiefste dieser Rinnen war sicher 3 Meter tief, in einem steilen Hang gelegen. Nach kurzer Suche fand ich schließlich eine geeignet aussehende Stelle um vorsichtig in die Rinne hinab zu rutschen und mich dann anstrengend auf der anderen Seite die Wand wieder hinaufzuarbeiten. Sollte das nicht möglich sein wäre es vermutlich auch möglich, die Rinnen mit deutlichem Umweg und zusätzlichem Ab- und Aufstieg weiter Talseitig zu umgehen.

Nach den Rinnen, bei der Stelle wo ich durch kam.

Nachdem das geschafft war folgte der nun wieder steilere Anstieg zum Zwischengrat. Dieser war zwar etwas ausgesetzt, aber nicht besonders schwierig. Der daran anschließende Abstieg dagegen schon, da er auf einem kurzen Stück durch steiles, sehr lockers Geröll führte. Darauf folgte eine längere, wieder relativ flache Querung des Kessels unterhalb des Südlichen Schönpleiskopfs. Auch hier waren nun wieder tiefe Rinnen zu queren, die Wegfindung war somit hin und wieder nicht einfach. Hoch oben in diesem Kessel findet sich außerdem noch ein stark schuttbedeckter Gletscherrest, vom dem sehr objektiv hohe Steinschalggefahr ausgeht, der offenbar aber noch recht neue Wegverlauf über eine alte Moräne führt da zum Glück in sicherem Abstand vorbei.

Weiter zum Zwischengrat.
Zwischengrat, 2770m.
Unter dem Südlichen Schönpleiskopf mit dem Gletscherrest und objektiver Steinschlaggefahr.

Bei einem Wegweiser und einem möglichen Zwischenabstieg nach Ischgl begann nun der nächste Anstieg, der zum Schönpleisübergang. Dieser ist ziemlich steil und in größeren Teilen auch ausgesetzt, aber technisch deutlich einfacher als die vorhergehenden Passagen. Nach dem steilen Anstieg erreichte ich so den erstaunlich flachen Übergang auf 2870m.

Aufstieg zum Schönpleisübergang.
Schönpleisübergang, 2870m
Mit Aussicht nach Norden…
…und nach Süden.

Der Abstieg führt nun deutlich weniger anspruchsvoll durch steiles, im Aufstieg sicher unangenehmes Geröll zuerst kurz nach Westen und dann nach Süden bevor im flacheren Gelände die Südhänge von Südlichem Matnalkopf und Grafspitze gequert werden.

Abstieg durch die riesige Geröllhalde.

Immer noch in südlicher Richtung folgte nun der letzte Anstieg des Tages, jener hinauf zur Dürrscharte auf 2666m. Dieser ist recht kurz und nicht so steil wie die vorhergehenden, sowie auch technisch wenig anspruchsvoll.

Der letzte Anstieg wartet, in der Mitte die Dürrscharte.

Nach einer kurzen Pause beginnt der letzte Abstieg des Tages, weiter in südlicher Richtung, in die Hänge des Paznauntals. Kurz noch etwas steiler und über Geröll führt der Steig hinab zum Lumpaschadseele. Dieser liegt auf einer kleinen Hochebene, nach deren Überquerung der Weg nach Südwesten dreht und nun in gemäßigter Steigung am Hang entlang weiter abwärts führt.

Aussicht von der Dürrscharte, die Hütte versteckt sich noch hinter dem Rücken in der Mitte.
Kreative Hangsicherungsmaßnahme. Ob das hält?

Schon bald kommt auch die Friedrichshafener Hütte in Sicht, welche auf einem Rücken bei einem kleinen See liegt. Das letzte Wegstück zieht sich zwar noch etwas, ist aber weder steil noch anpruchsvoll. Nachdem ich noch einige Bäche und Almwiesen überquerte erreiche ich schließlich die Hütte auf 2138m.

Fast da.
Friedrichshafener Hütte, 2138m.
Sonnenuntergang auf dem Weg zum Abendessen.

Die Hütte ist besser besucht als bei meiner letzten Übernachtung im Jahr davor, das Lager teile ich mir schließlich mit vier anderen Personen. Sehr positiv hervorzuheben ist die vergleichsweise günstige Verpflegung auf dieser Hütte. Bei 38€ für die Halbpension können die Anderen Hütten auf der Runde nicht mithalten.

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