Durch die steirische Windfabrik
Eckdaten
- Datum: Freitag, 06.03.2026
- Etappe-Nr. laut Führer: 9
- Ausgangspunkt: Alois-Günther-Haus, 1782m
- Endpunkt: Alpl, Gästehaus Fridolin, 1125m
- Wegstrecke 18,6km, 340m Aufstieg, 990m Abstieg
- Wetter: Sonne, morgens windig und kalt, später warm
- Wegpunkte: Alois-Günther-Haus – Pretul (4,9km, 1:30h) – Steinriegel (7,5km, 2:30h) – Hauereck (10,4km, 3:40h) – Alpl/Waldschule (16,0km, 5:30h) – Alpl/Gh. Fridolin (18,6km, 6:10h)
- Gipfel: Grazer Stuhleck (1635m), Pretul (1656m), Steinriegel (1577m)
Die Nacht auf dem Alois-Günther-Haus war ruhig so alleine im Zweierzimmer – der Luxus, den man eben hat, wenn man einer von zwei Übernachtungsgäste auf der Hütte ist. Und am Frühstück war auch nichts auszusetzen. An dieser Stelle kann ich nur eine klare Empfehlung für diese Hütte aussprechen.

Als ich am Morgen vor die Hütte trete werde ich von einem eisigen Wind empfangen. Nach einer kurzen Orientierung mache ich mich Richtung Süden über den breiten Rücken auf den Weg, den Schildern der „Skitouren-Abfahrt“ folgend. Dafür liegt hier aber teilweise bereits zu wenig Schnee. Immer auf dem Rücken geht es nun auf den nahen Windpark zu. Bevor dieser aber erreicht ist, lädt eine kleine Unterstandshütte am Schwarzriegelmoos noch zu einer windgeschützten Pause ein.

Dann ist eine Entscheidung zu treffen: Durch den Windpark oder außen herum. Es gibt dort Warnlampen, die bei entsprechender Witterung auf die Gefahr von Eisabwurf von den Windkraftanlagen warnen. Die waren allerdings wenig hilfreich, eine war aktiv, die zweite dagegen nicht. Daher entschloss ich mich, die direktere, und bei Schneelage auch angenehmere Variante durch den Windpark zu nehmen. Der Zufahrtsweg war nämlich fast vollständig geräumt und daher unproblematisch zu begehen.

Vorbei an den Windrädern werden nun mehrere relativ unbedeutende Erhebungen überschritten. Zuerst das Grazer Stuhleck (1635m), dann das Geiereck (1644m), welches ich mangels ausreichender Schartenhöhe nicht als Gipfel anerkenne, und schließlich die Pretul (1654m). Dort befindet sich die Peter-Bergener-Warte, auf der es zwar nochmal etwas windiger ist, eine wirklich bessere Sicht hat man von oben aber auch nicht.

Es folgt ein kurzer, etwas steilerer Abstieg zum Roseggerhaus, benannt nach dem steirischen Dichter Peter Rosegger, einem Namen, dem man beim wandern in dieser Gegend fast nicht entkommen kann. Nach dem Schutzhaus geht es nochmal kurz steil abwärts, bevor der Weg immer noch oben auf dem breiten Rücken wieder sanft zum Steinriegel (1577m) mit dem nächsten Windpark ansteigt.

Von hier beginnt nun der Abstieg nach Alpl. Zunächst noch auf der Zufahrt des Windparks, wenig später dann wieder auf schneebedeckten Pfaden und schließlich auch wieder teilweise extrem vereisten Forststraßen. Bei der geschlossenen Hauereck-Schutzhütte ist ein besonders unangenehmes, glattes Eisfeld zu überwinden, bevor der Weg dann weiter zur Kreuzung beim Roten Kreuz führt.


Von dort könnte ich die Originalroute verlassen und den Weg zu meiner Unterkunft über das Modertörl deutlich verkürzen. Aber sich das Leben einfacher machen… Wer würde denn so etwas tun? Also gehe ich weiter auf dem nun bewaldeten, breiten Rücken entlang über die unscheinbare Erhebung der Jägerhöhe und schließlich etwas steiler hinab zur Bundesstraße über das Alpl.

Auf einmal liegt hier eine ganz andere Landschaft vor mir. Die Wiesen sind wieder grün und die Sonne strahlt erstaunlich warm vom Himmel. Ich überquere die Straße und folge dem Weg zu einem Bauernhof, an dem ich erst einmal die sehr unscheinbare Abbiegung nach rechts an den Häusern vorbei übersehe. Steil geht es dann am Waldrand entlang hinab in das tief eingeschnittene Tal des Freßnitzbachs.

Die letzten fünf Meter stellen dann nochmal eine fast unmögliche Herausforderung dar: Direkt oberhalb der Straße ist der Grashang, über den der Wanderweg zwischen Stacheldraht und einem Zaun führt nahezu komplett mit einer harten Eisschicht bedeckt, das ganze sicher gute 30° steil. Steigeisen, das wär’s jetzt… Irgendwie kann ich mich aber dann doch gefährlich nah am Stacheldraht gehend daran vorbeischleichen, auch wenn es mich auf dem letzten Meter vor der Straße noch beinahe hinlegt.


Hier stehe ich nun also, direkt vor dem (natürlich noch geschlossenen) Museum in der Waldschule in Roseggers Waldheimat. Um zu meiner Unterkunft zu gelangen muss ich allerdings noch gute zwei Kilometer der Straße Richtung Krieglach folgen, bis zum Höllkögerl. Dort überquere ich nochmal die Bundesstraße und steige über eine steile Schotterpiste zu meiner Unterkunft, dem ziemlich abseits gelegenen Gästehaus Fridolin auf. Etwa 200 Höhenmeter mehr brachte mir mein Umweg durch den Ort so ein. Der Wanderweg übers Modertörl hätte beinahe an der Haustür vorbeigeführt. Aber wie heißt es so schön, der Weg ist das Ziel.

Übersichtskarte
GPX-Track zum Download verfügbar in der Übersicht.

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